Der Geschichtenerzähler aus Bokel

Was macht ein Ammerländer in Afrika? Atemraubende Fotos, die „Geschichten erzählen“.

Als Ines Tiedemann 2009 das Fernweh packte, musste sie ihren Mann noch dazu überreden, mit ihr nach Afrika zu reisen. Mittlerweile ist der Kontinent Sven Tiedemanns Leidenschaft – er war in Namibia, Botswana, Sambia, Tansania, Kenia und Äthiopien, um zu fotografieren. Erst Landschaften und Tiere, dann die Menschen der wenigen noch existierenden Naturvölker. Im Gespräch hat uns Tiedemann einen Vorgeschmack von seiner Arbeit gegeben, und wir halten fest: Der hat was erlebt.

„Mit meinen Bildern möchte ich Geschichten erzählen“, erklärt der Fotograf aus Bokel. Dass er das auf beeindruckende Art und Weise schafft, beweist sein Portfolio. Was man auf seinen Fotos allerdings nicht sieht, ist was Tiedemann dabei selbst erlebt. Auf eigene Faust einen Kontinent erkunden, den richtigen Moment abwarten, großen Wildtieren ganz nah sein, mit Händen und Füßen gestikulieren – auf der Suche nach Bildern, die Geschichten erzählen, hat er selbst Spannendes und Kurioses erlebt, von dem berichtet werden will.

Foto: Armin Schulz

Zum Beispiel folgende Situation, in der er sich 2017 während einer Foto-Reise durch Namibia wiederfand:

„Eines Abends im Ort Epupa, in Namibia, haben wir draußen auf einer Bank gesessen und ein Bier getrunken. Ein paar Männer waren schon dort – und einen schien unsere Anwesenheit zu stören. Warum auch immer. Der saß also da und machte ein finsteres Gesicht.“

Tiedemann traf auf skeptische Blicke, als die Situation eine überraschende Wendung nahm – ausgerechnet durch eins seiner Fotos.

„Da fiel mir ein, dass ich große Abzüge von Fotos dabeihatte und holte sie heraus. Sechs Jahre vorher war ich in genau dem gleichen Ort gewesen und hatte Bilder von Leuten in der Umgebung gemacht. Unter anderem hatte ich eine sehr alte Frau fotografiert. Als der Mann mit dem finsteren Gesicht dieses Bild sah, war er wie elektrisiert und ließ das Foto gar nicht mehr los. Ich hatte durch Zufall seine Mutter fotografiert, die vor ein paar Jahren gestorben war. Das Bild habe ich ihm dann geschenkt. Das war ein toller Moment.“

Foto: Sven Tiedemann

Seine Bilder erzählen also viele Geschichten. Die der Landschaften, Tiere und Menschen, aber auch die eines Fotografen inmitten seiner Modelle.

Um eindringliche Portrait-Aufnahmen machen zu können, braucht der Ammerländer vor allem eins: Zeit. „Ich mache keine Schnappschüsse“, meint Tiedemann. Er spielt mit unterschiedlichen Lichtquellen, sucht verschiedene Orte, Sonnen- und Schattenplätze auf und versucht die Stimmung der Menschen einzufangen. Zum Dank für ihren Einsatz bringt der Fotograf Nützliches mit. Mittlerweile weiß er zum Beispiel, dass „Pfeifen und Tabak bei den alten Frauen gut ankommen“. Seit Tag Eins wird er dabei von seiner Frau Ines begleitet. Nur die Überzeugungsarbeit muss sie mittlerweile nicht mehr leisten – Tiedemann ist dem Kontinent bis auf Weiteres verfallen.

Ohne Pfeifen und Tabak, aber mit Zeit zum Erzählen, kommt Sven Tiedemann am 3. März um 11 Uhr zur Sonntagsmatinee in die Buchhandlung Isensee. Im Gespräch mit Claus Spitzer-Ewersmann berichtet er von seiner Arbeit und zeigt Bilder, die beeindrucken. 

 

Autorin: Clara Tischer.

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