Der richtige Moment – Fotografengespräch mit Jesco Denzel

Ein Treffen, sieben Perspektiven, unzählige Interpretationen – über den Alltag als Regierungsfotograf

Foto: Jesco Denzel

Angenommen, es treffen sich vier Personen. Sie diskutieren intensiv und berichten anschließend getrennt von diesem Ereignis. Niemand wird sich wundern, wenn trotz gleicher Faktengrundlage vier unterschiedliche Geschichten erzählt werden. Selbst wenn sich alle über den Verlauf des Gesprächs einig sind, unterscheidet sich doch die individuelle Wahrnehmung und bietet Raum für Interpretation. Fotos wären da von Haus aus „objektiver“, könnte man meinen.  

Jesco Denzels Aufnahme des G7-Gipfels 2018 in Kanada beweist das Gegenteil. Es gibt zahlreiche Stimmen, die meinen, das Foto bringe die Stimmung des gesamten Treffens auf den Punkt. Vielleicht ist das so – dennoch ist es nur eine Momentaufnahme. Weitere Bilder der gleichen Situation zeigen im Wortsinn weitere Perspektiven, erzählen andere Geschichten – aus anderer Sichtweise, in Anderer Interesse.  

Foto: Jesco Denzel

So wurde Denzels ikonische Fotografie der Bundeskanzlerin vor Donald Trump nicht nur zum Sinnbild eines historischen Debakels, sondern auch ein Paradebeispiel der aktuellen Inszenierung politischer Kommunikation. Binnen kurzer Zeit kursierten auf Twitter Gegenüberstellungen der verschiedenen Bilder, die keiner Kommentierung bedürfen.


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – es gilt sorgfältig auszuwählen, welches Bild man präsentiert. Und welches man überhaupt erst ermöglicht. 

„Die Bundesbildstelle im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) hat die Aufgabe, Bildmaterial zu den politischen Aktivitäten der Bundeskanzler, der Bundesminister sowie des Bundespräsidenten, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung zur Verfügung zu stellen.“ 

Der in Bremerhaven aufgewachsene Jesco Denzel gehört seit 2010 zum offiziellen Team der Regierungsfotografen. Daneben arbeitet er weltweit als freier Fotograf, unter anderem für renommierte Magazine. Den World Press Photo Award in der Kategorie „Aktuelles Zeitgeschehen“ erhielt er 2018 für eine Aufnahme aus Makoko, Lagos (Nigeria). Es dokumentiert, wie ein Touristenboot durch den schwimmenden Slum gesteuert wird, der Apartments für reiche Nigerianer weichen soll. Das Bild ist Teil einer Serie, die im Rahmen des UNICEF Photo Awards 2018 mit einer „ehrenvollen Erwähnung“ bedacht wurde.            

Der vielfach ausgezeichnete Fotograf wird am Donnerstag, dem 21. Februar, um 19.30 Uhr im Hüppe-Saal des Stadtmuseums Oldenburg im Gespräch mit Claus Spitzer-Ewersmann von seiner Arbeit berichten. 

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Alke zur Mühlen

Als Social-Media-Managerin ist Alke zur Mühlen weniger in den Ausstellungsräumen unterwegs, dafür umso öfter auf unseren Kanälen. Sie managt unseren Facebook-Auftritt ebenso wie die Instagram-Präsenz, hat den Redaktionsplan im Griff und kümmert sich um den regelmäßigen Output.

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