Die Pressefotografie ist weiblich. Manchmal.

Einer Studie der World Press Photo Foundation zufolge sind lediglich 15 Prozent der Pressefotografierenden weiblich. Ruth Eichhorn, langjährige Fotodirektorin des Magazins Geo, die Fotografinnen Tamina-Florentine Zuch und Sonja Och, sowie der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands Michael Konken diskutierten darüber am vergangenen Dienstag im PFL. Sabine Schicke, stellvertretende Leiterin  der Lokalredaktion der NWZ, fungierte dabei als Talkmasterin.

Die vier Teilnehmenden rund um Frau Schicke brachten viele Aspekte und Ansichten in das Gespräch ein: Warum gibt es so wenige Frauen im Pressejournalismus? Wie lässt sich das ändern? Was haben männliche Fotografen, was weibliche nicht haben? Diesen Fragen sollte hier auf den Grund gegangen werden. Wir haben Bilder und Zitate mitgebracht, die die Diskussion Revue passieren lassen:

„Ich glaube, Frauen wie Männer haben gleichermaßen ein gewisses Talent für Pressefotografie. Der Zugang ist aber ein anderer! Es muss Fotografen und Fotografinnen geben, damit wir als Rezipienten beide Sichtweisen und beide Zugänge zu sehen bekommen. Sie müssen die Welt aus den verschiedenen Perspektiven betrachten. Insgesamt denke ich auch, dass generell zu viele Fotografen ausgebildet werden. Es entsteht ein internationaler Kampf, nicht nur ein geschlechtlicher.“

„Wir leben in einer Welt, die immer noch von Männern dominiert wird. Wenn man bei Männern hört, dass sie Fotografen sind, heißt es immer: Oh cooler Typ! Und wenn man als Frau Fotografin ist, meinen die meisten: Das ist ja schön, fotografierst du Hochzeiten? Ich glaube Männer bringen häufig die besseren Geschichten, weil sie hemmungsloser und rücksichtsloser sind – das mag in diesem Beruf die bessere Variante oder zumindest einfacher sein. Aber genau so gut kann ich für mich sagen: Ich tue gerade das, was ich liebe – und bekomme auch noch Geld dafür.“

„Dass so wenig Frauen beim World Press Photo Contest mitmachen, ergibt sich vielleicht daraus, dass Männer sich lieber und öfter vergleichen. Mir geht es aber ganz und gar nicht darum, wer das Bild gemacht hat. Ich erwarte immer von den Fotografen und Fotografinnen, dass sie sich über das Foto, über das Motiv Gedanken machen. Sie oder er soll uns schlicht und einfach zeigen, was in der Welt so vor sich geht. Und ein gutes Foto regt dann auch zum Weiterlesen der Artikel an. Da ist es ganz egal, ob ein Mann oder eine Frau dieses Bild gemacht hat. Wenn es gut ist, wird es genommen.“

„Das ist alles eine Frage des Typs. Ich glaube absolut nicht, dass es in der Qualität solche Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Zwar wird es Frauen manchmal schwerer gemacht, aber grundsätzlich sind Menschen einfach verschieden. Ich hatte selbst auch schon mal eine Situation, in der mein Kollege begrüßt und ich nur als Anhängsel betrachtet wurde. Das war sehr merkwürdig. Da sagten die Leute sowas wie: Du hast aber eine hübsche Kollegin, mit der würde ich auch gern herumreisen. Fotografinnen wird zudem oft nicht zugetraut, mit gefährlichen Situationen umgehen zu können. Aber ich habe mir diesen Beruf bewusst ausgewählt, also nehme ich auch das Risiko in Kauf. Dabei höre ich oft auf mein Bauchgefühl. Vielleicht ist das typisch weiblich – es hat mich allerdings viel öfter weitergebracht als zurückgehalten.“

Fotos: Phyllis Frieling und Janina Gründemann

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Janina Gruendemann

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