Ein Doppel-Feature der besonderen Art

Foto: Doris Böttcher

Bereits mit 14 Jahren begann Hauke-Christian Dittrich seine Karriere als Pressefotograf. Erst spät dagegen entdeckte Doris Böttcher ihre Begeisterung für die Fotografie. Aber nicht nur das Alter unterscheidet die beiden voneinander, sondern auch die Motivwahl, die Technik und die Zielgruppe. Dennoch teilen sie dieselbe Leidenschaft. Im Rahmen der World Press Photo-Ausstellung 16 konnten wir sie für eine Sonntagsmatinee am 12. März in der Buchhandlung Isensee gewinnen und freuen uns, beide wieder in Oldenburg begrüßen zu dürfen! 

Fotos aus Leidenschaft

Egal ob Messen und Stadtfeste oder die Freilassung von Robbenbabys auf Juist – Hauke-Christian Dittrich hat es weit gebracht. Mit 14 Jahren klein angefangen bei der Nordwest-Zeitung in seiner Heimat Oldenburg, arbeitet er heute bundesweit. Seine Wurzeln sieht er noch immer in der grünen Stadt. Dahin kehrt er nun für einen kurzen Aufenthalt zurück, um sich und seine Arbeit vorzustellen. 

„Eine gesunde Neugier ist ganz wichtig – und natürlich Leidenschaft für das, was man macht. Das ist bei mir eben die Pressefotografie“, sagt der mittlerweile 21-Jährige von sich. Solche tiefen Einblicke erhalte man sonst nicht.

Der Reiz der Fotografie liegt für den mittlerweile in Hannover lebenden Studenten darin, Situationen zu fassen und einzufrieren. „Ich kann aus jedem Termin etwas für mich selbst mitnehmen und lerne nie aus. Natürlich packen mich Geschichten auch emotional, aber das ist menschlich und hilft dabei, Empathie zu zeigen. Ich brenne dafür und das muss man in solchen Situationen auch einfach.“

In Oldenburg geboren spielte sich Hauke-Christian Dittrichs Leben zunächst vor allem an diesem Ort ab: Schule, Abitur, erste Erfahrungen als Pressefotograf. 2008 hielt er seine erste Kamera in Händen, ein Weihnachtsgeschenk (übrigens eine Sony Alpha 200), und begann, für die Schülerzeitung Durchblick zu fotografieren. Darauf folgten einige Praktika – zum Beispiel bei der NWZ. Von Bümmerstede, am Stadtrand seiner Heimat, fuhr er an Wochenenden mit dem Fahrrad von Termin zu Termin, sodass er für die Lokalzeitung manchmal bis zu 40 Kilometer zurücklegte. Sein Netzwerk wurde schnell größer, neue Aufträge ergaben sich. „Um mobiler zu werden, habe ich für ein Auto gespart. Dann konnte ich endlich auch Tagesdienste und Termine von außerhalb übernehmen.“

Stolz erzählt Dittrich: „Als der damalige Chef der Fotoabteilung für die NWZ, drei Wochen Urlaub hatte, durfte ich für diese Zeit die komplette Fotoredaktion leiten.“ Damals war er gerade volljährig.

Im Oktober 2013 verbrachte er dann einige Zeit bei der Deutschen Presseagentur (dpa) in Hannover. Er lernte die Agenturfotografie und eine ganz andere Art der Veröffentlichung kennen. „Die eigenen Bilder in der Tagesschau und im Spiegel – das war schon alles sehr spannend.“ Kein Jahr später war er für die Agentur in Berlin tätig. Seither arbeitet er frei für die dpa. Lokale Events gehörten der Vergangenheit an, an ihren Platz traten Veranstaltungen im Bundestag. Ein Bild aus dem letzten Jahr, das Barack Obama in Hannover zeigt, hat er sogar in die Ausstellung der Rückblende (deutscher Preis für politische Fotografie und Karikatur) geschafft. In seinem Medienmanagement-Studium beschäftigt er sich außerdem mit Themen wie Medienwirtschaft, BWL und der Wirkung von Medien. So könne er sein Revier einmal von einer anderen Seite betrachten.

„Das Wichtigste: Man muss am Ball bleiben und viel Spaß an der Sache mitbringen. Es bedeutet aber auch viel Stress, denn manchmal muss das richtige Bild schon eine Stunde nach dem Termin beim Kunden sein. Und da soll dann die Situation verdichtet dargestellt und gleichzeitig ansprechend fokussiert werden.“ Wer da mithalten will, muss also viel Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen mitbringen.

Zurzeit hospitiert Dittrich bei der dpa-Tochterfirma Picture Alliance in Frankfurt – weniger als Produzent, sondern mehr in Vertrieb und Management. Deshalb kommt er auch nur auf einen kurzen, aber sicherlich sehr informativen Sprung nach Oldenburg zurück.

www.haukedittrich.de

https://vimeo.com/user36382150

Vom Stolz der Menschen

„Die Neugierde zu erfahren, was sich außerhalb meines gewohnten Umfelds ereignet, war mein Antrieb, das Gesehene einzufangen und zu dokumentieren.“ Doris Böttcher lebt seit über zehn Jahren vorwiegend in Kambodscha. Ihre großen Leidenschaften sind das Reisen und die Fotografie. Ihr liebstes Ziel und damit auch ihr liebstes Motiv hat sie aber schon lange gefunden. Es ist die freundliche und positive Ausstrahlung ihrer Wahlheimat. 

Soziale Zusammenhänge, Kultur und Religion sind auf jedem Kontinent, ja in jedem Ort verschieden. In Kambodscha erfährt die Bremerin den Alltag der einheimischen Menschen und deren Zusammenleben mit der Natur – von der sie aufgrund der Regen- und Trockenzeiten abhängig sind – aus erster Hand. Was mit einem ehrenamtlichen Jahr in der Nationalbibliothek in Phnom Penh für sie begann, endete in beeindruckender Fotografie, in Ausstellungen und schließlich in einem neuen Leben.

 

„Ich hatte den Eindruck, die Menschen waren stolz, etwas zu haben, was mich interessiert, was ich dann auch noch fotografieren wollte“, erklärt die frühere Bibliothekarin. Die 1938 Geborene hat erst spät mit dem Fotografieren angefangen. Ihre Liebe zum Reisen und ihre Offenheit für die Vergangenheit und Gegenwart anderer Kulturen begann schon früh. Zuerst erkundete sie Deutschland mit dem Fahrrad, bevor sie später durch Europa und Neuseeland reiste und sich letztlich in das südostasiatische Land verliebte.

Mit einer Rolleiflex galt ihre Begeisterung zunächst der Schwarz-Weiß-Fotografie. Eine Zeit lang wurden ihre Bilder dann aber doch farbig, bevor sie wieder zu ihrem Anfang zurückkam. „Für mich bedeutet Fotografieren unter anderem, Stimmungen einzufangen, das Gesehene festzuhalten und als Dokumentationen aufzubewahren.“

Doris Böttcher zeigt das Land mit dem Blick einer Europäerin und stellt das, was für die Einwohner normal ist in den besonderen Fokus. Dabei ist ihr besonders wichtig, dass auch politische Auseinandersetzungen Aufmerksamkeit erlangen – nicht nur, um auf die Verhältnisse in Kombadscha hinzuweisen, sondern vor allem, um den dort lebenden Menschen zu verdeutlichen, dass sich jemand ganz gezielt für sie und ihre Lebensumstände interessiert.

Ein Kambodschaner brachte es für sie auf den Punkt: „Was für ein schönes Foto. Ich hätte nicht gedacht, dass diese für mich so alltägliche Situation auf einem Foto so einprägsam ist. Ich hätte so etwas nie fotografiert!“

Fotos: Hauke-Christian Dittrich und Doris Böttcher

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Janina Gruendemann

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