Fotos vom Kreislauf des Lebens

Koordinatorin Wacera Njagi und Fotografin Esther Ruth Mbabazi über Everyday Africa

Foto: De Lovie Kwagala, Esther Ruth Mbabazi, Mustafa Saeed (v.l.)

Zum zweiten Mal ist im Rahmen der World-Press-Photo-Ausstellung in Oldenburg eine Auswahl von Fotografien des Projekts Everyday Africa zu sehen. In einer Talkrunde zu dieser Sonderschau berichteten Koordinatorin Wacera Njagi (Kenia) und Fotografin Esther Ruth Mbabazi (Uganda) davon, was diese Initiative ausmacht und welche Bedeutung die Fotografie in Afrika hat.

Foto: Everyday Projects

Wacera Njagi, Koordinatorin Everyday Africa und Kuratorin der Sonderschau in Oldenburg

„Fotografie wurde in der Vergangenheit oft genutzt, um die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent zu unterdrücken und Kontrolle auszuüben. Wir begreifen Fotografie heute als Werkzeug, um Vorurteile abzubauen und der falschen Darstellung des afrikanischen Kontinents entgegenzuwirken. Wir wollen die Kamera dekolonisieren. Indem wir dieses vergleichsweise kleine Tool nutzen, erhalten wir das Privileg, mit der Welt in Kontakt zu treten.“

„Als ich die Fotos für die Ausstellung in Oldenburg auswählte, wusste ich bei jedem Motiv, welchen Effekt ich mir bei den Betrachtenden erhoffe. Fotoreportagen haben die Kraft, das Bewusstsein zu beflügeln, sie helfen den Betrachtenden, mit etwas zu sympathisieren und Stereotypen abzubauen.“

„Die Mitglieder von Everyday Africa entdecken Fotografie und visuelle Kultur auf ihre eigene, einzigartige Weise, und zwar direkt vor ihrer Haustür. Sie nutzen die Kamera als Mittel des Empowerments, um Geschichten aus ihrer Perspektive zu erzählen. Die Fotos aus der Everyday Africa Community zeigen den Kreislauf des Lebens. Und der beinhaltet Liebe und Glück genauso wie Schmerz und Traurigkeit. Wir können den afrikanischen Kontinent nicht verstehen, wenn wir nicht in den Hinterhöfen derer nachschauen, die dort leben. Fotografie ist ein Katalysator für die Revolution.“

Foto: Mark Thiessen

Esther Ruth Mbabazi, Dokumentarfotografin und Fotojournalistin

„Ich mache meine Fotos so, dass die Menschen, die sie betrachten, eine Verbindung zu den Fotografierten spüren.“

„Viele Ereignisse der letzten Jahre in Afrika wurden von Außenstehenden dokumentiert. Sie kamen mit dem Flugzeug, filmten und fotografierten, und verließen unseren Kontinent dann wieder. Bei Everyday Africa teilen wir Schnipsel aus unserem täglichen Leben – aus der Perspektive von Insidern. Denn nachdem wir unsere Fotos mit der Welt geteilt haben, bleiben wir in unserer Community, statt zurück in die westliche Welt zu fliegen.“

„Die Art und Weise, wie Migrationsbewegungen in westlichen Medien dargestellt werden, ist häufig sehr fokussiert auf die wirtschaftliche Motivation derer, die ihr Heimatland verlassen. Dabei spielen auch viele andere Gründe eine Rolle: Liebe, Angst, Hoffnung. Diese Beweggründe wollte ich in meinem Fotoprojekt This Time We Are Young zeigen, denn Migration ist nicht immer eine Flucht.“

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Claus Spitzer-Ewersmann

Ohne Claus Spitzer-Ewersmann würde die World-Press-Photo-Ausstellung in Oldenburg wohl kaum Station machen. Der Agenturchef gab 2015 den Anstoß, die Bilderschau in seine Heimatstadt zu holen und freut sich noch immer, dass die Idee auf fruchtbaren Boden fiel und weiterhin auf großen Zuspruch beim Publikum stößt.

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