Fotoslam 2016 – Perspektivenwechsel

Foto: Mediavanti

Das Experiment “Fotoslam” war im letzten Jahr ein voller Erfolg. Wie aber fühlte es sich für unsere Versuchskaninchen, die ersten Fotoslammer Oldenburgs, an? Was geht einem durch den Kopf, wenn man Teil eines Events ist, für das es (noch) keinen Fahrplan gibt? Und warum tut man sich das überhaupt an? Lohnt sich der Aufwand, Foto und Text vorzubereiten? Timo Ell war eines eben jener Kaninchen und schildert für uns, was den Reiz des Fotoslams ausmacht – und wie so ein Abend abläuft.

 

Ich laufe die letzten Schritte auf das Polyester zu: Da stehen ja schon Leute in einer Schlange vor der Tür!
„Hey! Wollt ihr auch zum Foto Slam?“ – „Ja, aber man darf noch nicht rein. Es sei denn man ist Slammer, aber wir sind ja Publikum.“
Ach herrje, die stehen jetzt schon an?
Mein Puls steigt auf einmal.
Ich öffne vorsichtig die Tür vom Poly und werde gleich herzlich von Julia (Mit-Organisatorin vom Poetry-Slam) begrüßt und gebrieft.
Okilidokili. Dann kann‘s ja losgehen.

Ich lerne die anderen Slammer kennen und wir unterhalten uns über Fotografie, wer wo herkommt, was ein „Slam” eigentlich ist (für jeden übrigens etwas anderes), wie man zum Fotoslam gekommen ist, dies das Ananas …
Gute Stimmung, gute Leute. Puls senkt sich langsam.

Wir Slammer bestellen zusammen das erste Bier und stoßen auf einen erfolgreichen Abend an.
Puls senkt sich weiter.

Der Einlass beginnt.
Das kleine Polyester füllt sich in kürzester Zeit komplett.
Hui, auf einmal sind hier aber eine Menge Leute …
Puls steigt wieder.

Durch das mittlerweile proppevolle Poly dringt die Meldung, dass leider keine Leute mehr rein gelassen werden können und das noch eine Menge Leute vor der Tür stehen.
Mannomann, das sind wirklich eine Menge Leute … und die wollen alle gleich mein Foto angucken? Ach herrje …
Puls steigt wieder.
Zweites Bier wird bestellt.
Puls senkt sich aber nicht wirklich …

Es geht los.
Moderator Nils Früchtenicht betritt die Bühne. Er erklärt die Regeln: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben jeweils drei Minuten Zeit, ihren Slam zum jeweiligen Foto vorzutragen. Dann wählt Nils eine zufällige Publikumsjury aus, die für jeden Slammer im Anschluss seines Auftritts Punkte verteilt.

Die erste Gruppe zeigt ihre Fotos: Menschen, Tiere oder Einkaufswagen. Die Texte sind witzig, emotional oder philosophisch.
Hände werden zusammengeschlagen, Füße auf den Boden getrommelt und fleißig Punkte verteilt.
Stimmung: bestens. Tolle Fotos, tolle Texte. Da vergisst man sogar seine eigene Nervosität.

Pause.
Bier holen.
Leute die man kennt begrüßen und sich freuen, dass so viele bekannte Gesichter da sind.
Deshalb wieder nervös werden.

Die zweite Gruppe zeigt ihre Fotos.
Dann bin ich an der Reihe. Ich mache mich auf den Weg zur Bühne und versuche, nicht allzu vielen Leuten, die vor der Bühne auf dem Boden sitzen, auf die Finger zu treten.
Okay, von hier sieht man das noch besser: Sind echt viele Leute! Aber trotzdem: cooles Gefühl. Dann mal los.
Super, trotz Spickzettel erst mal ordentlich verquatscht. Aber egal, macht Spaß hier oben zu stehen, mein Foto zu zeigen und zu erzählen, was für eine Geschichte dahinter steckt.
Drei Minuten sind dann auch schneller rum als gedacht und als die Leute dann wirklich laut klatschen, setz’ ich mich mit einem breiten Grinsen wieder auf meinen Platz.

Alle Fotografinnen und Fotografen haben ihr Motiv präsentiert. Die drei mit den meisten Jury-Punkten werden noch einmal auf die Bühne gebeten. Leider hat es für mich knapp nicht gereicht.
Jetzt wird über die finale Platzierung entschieden. Alle drei tragen noch eine kurze Kernaussage vor, um das Publikum ein letztes Mal von ihrem Motiv zu überzeugen.
Das Applausometer entscheidet: Benny ist der verdiente Sieger!

Lachen, schnacken, Bier trinken, gratulieren, über Fotografie philosophieren, …

Also traut euch und macht mit!

Das Erleben lohnt sich.

 

Text: Timo Ell

Foto: Mediavanti

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