(Gegen)Kultur pur

In jeder Schicht schaue ich immer wieder auf das Werbebanner eines Sponsors der Ausstellung. In großen schwarzen Lettern steht da geschrieben: „Kultur pur“. Klar, das Roll-up wurde sicher nicht eigens für die World Press Photo-Ausstellung entworfen, aber selten war dieser Slogan passender. “Kultur pur” ist es, was die vielen Besucher auf den Bildern sehen. Kultur – ungeschminkt, ungeschönt, roh und dreckig, schmerzhaft. Aber auch einfühlend, annähernd. Kultur, das ist der Mensch. Was er gemeinsam mit anderen Menschen schafft. Wir sehen Sport, Wissenschaft, Industrie. Wir sehen die Stadt, das Land. Aber vor allem Krieg, Tod, Verwüstung, Leid und Flucht sowie Trauer und Verzweiflung. Ein Armutszeugnis für die Zivilisation.

Am Infopoint der Ausstellung sitzend sehe ich viele vorbeilaufende Besucher, die alle vor allem eines eint: Betroffenheit. Ich sehe, wie Fremde zusammenkommen und über das Gesehene sprechen, wie sie versuchen, es zu verstehen. Ich sehe ein durch all die gesellschaftlichen Missstände, Kriege und Diskriminierungen hervorgerufenes gemeinsames Atmen, als Symbol der Gegenkultur. Pur.

Text: Steffen Pilney

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