Mads Nissen, Gewinner des World Press Photo-Award 2015, hat am gestrigen Samstag die Ausstellung der Weltpressefotos in Oldenburg für das breite Publikum eröffnet. Dabei hat er auch berührende Einblicke in das Entstehen seines Siegerbilds “Jon and Alex” gegeben:

„Bei einer Gay Pride in Russland war ich zufällig dabei, als ein Schwulenfeindlicher auf einen homosexuellen Demonstranten zuging und ihn fragte, ob er ein “faggot” (eine Schwuchtel) sei. Als dieser “Ja” sagte, hat er ihm auf kürzeste Distanz mit der Faust ins Gesicht geschlagen – direkt vor meinen Augen. Das hat mich tief schockiert und mir die Dimension der Homophobie in Russland offenbart. Daraufhin habe ich angefangen, mich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen, und bei meinen Recherchen erlebt, wie Homosexuelle erniedrigt, angespuckt und geschlagen worden sind. Nach all diesem Hass gegen Schwule in Russland wollte ich einen Moment der Liebe und Leidenschaft einfangen. So ist das Bild von Jon und Alex entstanden. 

Dadurch, dass es bei den World Press Photo Awards 2015 gewonnen hat, hat es viel Aufmerksamkeit bekommen, auch in Russland. Als ich das letzte Mal in St. Petersburg war, habe ich mit großer Freude festgestellt: Es geht dabei nicht um mich – es geht um Jon und Alex, die dafür gefeiert werden, wie sie sind.“