Als Yvonne Brandwijk das erste Mal hörte, dass Afrika geschlossen zur kongolesischen Hauptstadt blickt, wenn es um Mode geht, war ihr Interesse sofort geweckt. Im #wppol-Magazin erzählt die niederländische Foto- und Videografin, warum sie gemeinsam mit Journalistin Stephanie Bakker verborgene zukünftige Weltstädte zum Thema ihres Digital Storytelling gemacht hat und wie die beiden vorgegangen sind.

Die Idee, fünf zukünftige Weltstädte in einer multimedialen Online-Produktion festzuhalten, ist entstanden, als die Journalistin Stephanie Bakker und ich gemeinsam an einem Artikel über den niederländischen Stoffproduzenten Vlisco gearbeitet haben. Dort haben wir erfahren, dass Kinshasa im Kongo beim Thema „Mode in Afrika“ ganz weit vorne ist. Jeder Afrikaner orientiert sich an den Kongolesen, wenn es um aktuelle Modetrends geht. Kinshasa kannten wir bis dato nur als gefährlichen Ort, sind aber neugierig geworden und wollten mehr über die Stadt als afrikanisches Mode-Mekka in Erfahrung bringen.

Während unserer Recherche sind wir auf die Liste „Future Cities“ des Beratungsunternehmens McKinsey gestoßen. Darauf standen weitere zukünftige Weltstädte, die uns überrascht haben. Daraufhin beschlossen wir, uns tiefgehender mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Letztlich haben wir fünf Städte ausgewählt, die wir nicht auf der Liste erwartet hätten, weil wir mit ihnen negative Assoziationen verbunden haben. Wenn über diese Städte in der Zeitung oder anderen meinungsbildenden Medien berichtet wurde, dann in der Regel nur über deren Missstände. Gleichzeitig mussten sie doch viel Inspiration bergen, wenn sie es auf die Liste der „Future Cities“ geschafft hatten.

Wir sind der Frage nachgegangen, was die jeweilige Stadt so einzigartig macht – worin liegt ihre Kraft verborgen, worin sind ihre Bewohner herausragend und was können wir ihnen an Wissen vermitteln? Mit dieser Annäherungsweise – der des “konstruktiven Journalismus“ – möchten wir die Wahrnehmung dieser Städte verändern, sie vervollständigen.

Dabei gehen wir so vor, dass wir die Geschichte der Stadt an fünf bis sieben Personen erzählen, die wir während unserer Reise begleiten. Durch dieses Vorgehen scheinen sich Türen zu öffnen, die uns andernfalls verschlossen geblieben wären. Denn die Bewohner sind in den meisten Fällen stolz auf ihre Stadt, auf sich selbst und auf das, was sie tun und erreicht haben. Und sie möchten gerne davon erzählen. Indem wir unterschiedlichen Personen in ihrem Alltag folgen, sieht man gleichzeitig die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind.

Unser Ausgangspunkt ist nicht, diese Probleme zu negieren, sondern zu zeigen, dass die Städte daneben auch Erfolgsgeschichten vorzuweisen haben. Damit möchten wir sie differenzierter darstellen.

Die Autorin Yvonne Brandwijk (1971) arbeitet derzeit als Fotografin in Amsterdam, war aber auch schon in den USA, China, Australien und zahlreichen afrikanischen Ländern beruflich unterwegs. Sie wird am 1. März 2018 um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Digital Storytelling-Projekt „Future Cities“ im Veranstaltungssaal der OLB halten.