Von der ostdeutschen Vogue zur Agentur Ostkreuz

Porträt der Fotoagentur Ostkreuz

Foto: Verleih
Foto: Verleih

Kurz nach dem Mauerfall gründeten sieben Fotografen aus der ehemaligen DDR die nach einem Berliner S-Bahnhof benannte Agentur Ostkreuz. Bis heute ist sie die erfolgreichste Fotografenagentur Deutschlands. Eine der Gründerinnen ist die 1949 im thüringischen Berka geborene Ute Mahler. Vor 40 Jahren wurde eine ihrer Fotoserien von der World Press Photo Foundation ausgezeichnet.

Nach ihrem Fotografiestudium in Leipzig arbeitete Ute Mahler als Modefotografin für die bekannte Frauenzeitschrift Sibylle und zeigte in ihren freiberuflichen Reportagen die unterschiedlichen Facetten des Zusammenlebens in der DDR.

„Um wirklich gute Fotos zu machen, muss man ganz bei der Sache sein.“

Fotos, die nicht den sozialistischen Idealen der Regierung entsprachen, fielen der Zensur zum Opfer. Den Fotografen drohte das Ende ihrer beruflichen Laufbahn oder sogar eine Haftstrafe. Die wahre Botschaft eines Bildes musste also gut versteckt unter der Oberfläche liegen.

Ute Mahler und ihren Kollegen bei der „ostdeutschen Vogue“ ist es damals trotz Vorgaben der Zensurbehörden gelungen, Modefotos abseits vom gängigen Frauenbild der DDR zu machen.

„Wenn ich fotografiere, bin ich konzentriert und unter Spannung. Ich will nicht abgelenkt werden. So nebenher etwas anderes tun, das funktioniert nicht. Also, entweder ich gehe spazieren oder ich gehe fotografieren. Ich kann nicht beides.“

1978 erlangte Ute Mahlers Arbeit erstmals auch internationale Aufmerksamkeit als die World Press Photo Foundation sie mit dem 3. Preis in der Kategorie „Color Picture“ auszeichnete. Ihre Fotoserie zeigt ostdeutsche Arbeiter der Druschba-Pipeline.

Die „Erdölleitung Freundschaft“ ist die größte Ölpipeline der Welt und verläuft heute über 4000 Kilometer Länge von Russland über drei Stränge nach Westeuropa. Bis heute hat Ute Mahler unzählige Fotoserien veröffentlicht. Zuletzt stellte sie ihre Arbeiten gemeinsam mit ihrem Mann Werner Mahler in den Deichtorhallen Hamburg aus. Seit 2000 lehrt sie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, seit 2005 zudem an der agentureigenen Ostkreuzschule für Fotografie, an der die Ostkreuz-Gründer ihre berufliche Leidenschaft und Überzeugung an den fotografischen Nachwuchs weitergeben.

Genau diese Leidenschaft wird auch in Maik Reicherts Dokumentarfilm „Foto: Ostkreuz“ deutlich, den das Cine k am kommenden Montag um 18:30 Uhr zeigt.

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Lisa Knoll

Lisa Knoll ist das Organisationsgenie der World-Press-Photo-Ausstellung. Sie kümmert sich um Auf- und Abbau, hält die Personal- und Zeitpläne aktuell und auch beim Rahmenprogramm führt kein Weg an ihr vorbei. Und weil sie sowieso alles rund um das Ausstellungsgeschehen mitkriegt, berichtet sie zudem regelmäßig in den sozialen Medien davon.

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