Von Rügen in die Welt

Moskau, St. Petersburg, Venedig und Sydney – Toma Babovic hat schon viel von der Welt gesehen und vor allem: viel fotografiert. Er studierte Architektur und Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Fotografie an der Akademie für Künste in Bremen. Nach seinem Abschluss zog er mit seiner Mappe los, um seinen ersten Auftrag einzuholen. Heute ist er einer der bekanntesten Reisefotografen in Norddeutschland. Wir konnten ihn für eine Sonntagsmatinee innerhalb des Rahmenprogramms zur World Press Photo-Ausstellung 16 gewinnen. Am 19. Februar um 11 Uhr wird er uns die Schönheiten der Erde zeigen und uns erzählen, wie es ihm mit der Kamera gelingt, Fernweh zu wecken.

 

Aber zurück zu seinen Anfängen: „Ich hatte wirklich großes Glück und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt der seit 28 Jahren freischaffende Fotograf. Bei seiner ersten Reportage auf Rügen gab es große Konkurrenz: Es war in der Zeit der Grenzöffnung und jeder wollte den Osten fotografieren. „Allein auf Rügen habe ich drei Mitstreiter angetroffen. Die Crème de la Crème arbeitete damals in der Hamburger Fotografenagentur ‚Bilderberg‘ und ich war noch ein Niemand in der Branche, hatte keine Lobby und auch keine Agentur. Deshalb dachte ich: Das war’s für mich.“

Doch der junge Toma Babovic ergriff die Chance seines Lebens und nahm den Konkurrenzkampf an. Tagelang arbeitete er an dem Projekt und verbrauchte das gesamte Material, das ihm von Verlag zur Verfügung gestellt worden war. Mit Erfolg: Denn kurze Zeit später erschien allein seine Bilderreportage großflächig auf sieben Doppelseiten im renommierten Magazin Stern. Das Messen mit den damals großen Fotokünstlern hatte sich also gelohnt. Danach fotografierte er noch zwei bis drei andere Geschichten für die hamburger Illustrierte, bevor er mit weiteren Zeitschriften – darunter Geo und Fokus – zusammenarbeitete. Und es ging weiter: „Nach meiner Rügenreportage kam zum Beispiel der Verlag Ellert und Richter aus Hamburg auf mich zu. Dort habe ich bereits über 50 Bildbände veröffentlicht.“

Babovics Fotos erzählen Geschichten: Den Moment des richtigen Lichts abwartend, zeigt er Natur und Landschaft in ihrer vollen Pracht. Menschen bildet er in ihrem alltäglichen Leben ab, immer mit dem Blick darauf, ihre natürliche Routine zu zeigen – ohne großartig etwas zu stellen oder zu verändern. Damit versucht er nämlich nicht, etwas darzustellen, sondern es zu dokumentieren. Und genau das macht eine fotojournalistische Reportage aus. Dafür nimmt er im Zweifelsfall auch einiges in Kauf, beispielsweise wenn es mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland geht.

Leider seien solche Aufträge in der heutigen Zeit aber nicht wirtschaftlich lohnenswert, sagt der Bremer. Mittlerweile bilde die Reisereportage auch nicht mehr seine Hauptrubrik ab, da der Verkauf von reinen Bildbänden stetig zurückgehe. „Dazu trägt besonders die digitale Welt bei. Dort wird so viel veröffentlicht, was allerdings unbezahlt bleibt.“ Es sei immer wichtiger, eine Art zweites Standbein zu besitzen. Deshalb ist er unter anderem Mitglied bei laif, einer Bildagentur für Fotos und Reportagen. So kann er weiterhin an Lieblingsprojekten arbeiten.

 

An Fotowettbewerben hat sich der mittlerweile bekannte Fotograf nie beteiligt, obwohl er vor kurzem ein Bild wiederentdeckte, dass er seiner Meinung nach auch beim World Press Photo Contest hätte einreichen können. „Ich weiß nicht, warum ich mich nie irgendwo beworben habe, aber vielleicht werde ich das irgendwann ja ändern.“ Das genannte Foto wird er während der Sonntagsmatinee am 19. Februar in der Buchhandlung Isensee in Oldenburg zeigen. Wir sind schon sehr gespannt!

Toma Babovics Feld hat sich verändert, sein Herz schlägt aber immer noch für das, womit er seine Karriere begonnen hat: die Reportagefotografie.

Fotos: Toma Babovic

 http://www.babovic.de/ 

https://www.facebook.com/events/193235247825961/ 

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Janina Gruendemann

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