Oldenburgs erster Fotoslam

Moderator: “Wie heißt du?” – Besucher: “Jan.” – “Und warum bist du hier?” – “Weil ich eigentlich dachte, heute ist Reggae-Abend im Poly.” Großes Gelächter. So fing er an, Oldenburgs erster Fotoslam. Mit Gelächter, gelöster Stimmung, schnodderig-launigen Kommentaren von Moderator Nils Früchtenicht.

Und so ging er auch weiter. Zehn Fotografen, zuvor ausgewählt von einer Jury, slamten am gestrigen Abend im Oldenburger Polyester zu ihrem eingereichten Motiv und um drei Gewinne. So bunt der Mensch, so bunt auch die einzelnen Vorträge; Gemeinsamkeiten nur: drei Minuten Zeit auf der Bühne und die Vorgabe des Mottos “welt_bewegend”. Die Teilnehmer waren über 55 und unter 25; extrovertiert und schüchtern. Unter ihnen waren Männer und Frauen, Wortgewandte und Verbalkarge.

Da ist die Geschichte von Ute und François, die sich bei einem Tanzfest begegnen. Sie hätten sich gesehen, nach einer Minute zusammen getanzt, nach drei Minuten einander geküsst – und seien heute noch verheiratet, erzählt Augenzeuge und Slammer Folker Winkelmann ins Mikro. “elektrisch” heißt sein Fotomotiv denn auch.

Da wird ein bemooster Einkaufswagen zu einer bemitleidenswerten Kreatur und eine Welt in der Welt entdeckt.

Da bewegt Susanne Rein ein kleiner, fast unscheinbarer Moment der Zwischenmenschlichkeit und gibt Benjamin Eichler zu, dass eigentlich nicht er als Fotograf, sondern der Mensch vor der Kamera die Geschichte erzähle.

Da werden die Silhouetten von Museumsbesuchern eingefangen, die im Laufschritt Kunst konsumieren, und Barack und Raúl zu Pferden, die sich auf einer Straße beschaulich beschnuppern.

Die siebenköpfige Publikumsjury entscheidet mittels Punktvergabe, welche drei Slammer weiter sind, das Publikum mittels Applaus, wer die Plätze eins bis drei belegt. Ein Slammer würde wohl sagen: Es töst, trampelt und pfeift in tausend Tönen – dann steht fest: Folker Winkelmann wird Dritter, Susanne Rein Zweite und Benjamin Eichler mit diesem Bild Erster:

Wenn die Welt ein Spielplatz sei, dann existierten Grenzen nur im Kopf, lautete das sinngemäße Abschluss-Statement von Benjamin, bevor er vom Publikum mit Gedröhn auf den ersten Platz geklatscht wurde. Und barrierefrei im Denken – das war der Fotoslam im Ganzen. Die Beiträge der Slammer, das bereitwillig offene Ohr des Publikums. Oldenburg ganz wach – schön.