Lernen von den Profis

Wie die World Press Photo Foundation den Nachwuchs fördert

Mehr als eine Ausstellung

Wer „World Press Photo“ hört, denkt in den meisten Fällen zuerst an den jährlichen Wettbewerb, dessen Siegerfotos im Anschluss als Ausstellung um die Welt reisen. Aber das ist längst nicht alles. Auch abseits des großen Wettbewerbs, der die weltbesten Pressefotografien des Jahres kürt, ist die Stiftung aktiv. Sie arbeitet zumeist mit jungen Fotojournalistinnen und Fotojournalisten zusammen, die in ihrer Heimat stark verwurzelt sind und sich mit regionalen Themen auseinandersetzen. Dabei wird vor allem in solchen Regionen gearbeitet, in denen der fotografische Nachwuchs wenig Chancen hat, sich und seine Arbeit aus eigener Kraft über die Heimat hinaus bekannt zu machen. Neben Workshops und Partnerprojekten in aller Welt hat die Stiftung drei große Förderprogramme entwickelt.

Ideelle Förderung als Grundgedanke

In ihren Förderprogrammen legt die World Press Photo Foundation den Fokus neben finanzieller Förderung vor allem darauf, fototechnische Kompetenzen zu vermitteln und ein dichtes Netzwerk junger Visual Storytellers zu schaffen. Diesen Grundsatz verfolgen alle Initiativen der Stiftung, wie beispielsweise das Tim Hetherington Fellowship.

Eine weitere Initiative ist die Joop Swart Masterclass, die seit 1994 jährlich 12 aufstrebende Nachwuchstalente mit erfahrenen Fotojournalisten zusammenbringt. Der sechstägige Workshop findet jährlich im September in Amsterdam statt. Im letzten Jahr kamen die Teilnehmenden unter anderem aus Georgien, Ägypten und Marokko. Während diese Masterclass einmal im Jahr Fototalente aus der Welt in den Niederlanden zusammenbringt, organisiert die World Press Photo Foundation ähnliche Workshops auch direkt vor Ort im Ausland – so zum Beispiel die 2017 Masterclass West Africa mit Teilnehmenden aus Ghana, Benin, Nigeria, Kongo und Burkina Faso.

„Freedom of expression, freedom of speech and freedom of the press are indispensable, and quality visual journalism is essential for the accurate and independent reporting that makes these freedoms possible.“

36 Visual Storytellers aus aller Welt

Das jüngste Förderprogramm ist das im September 2017 initiierte 6×6 Global Talent Program, das mit je sechs Nachwuchsfotografen aus den sechs Regionen der Erde arbeitet. Die Stiftung stellt alle vier Monate eine andere Region vor,  sodass nach zwei Jahren alle Arbeiten auf den Plattformen der World Press Photo Foundation zu sehen sind. Dabei hält das 6×6 Global Talent Program nicht an bestimmten Kategorien, Formaten oder Altersgrenzen fest und ist nicht als Wettbewerb ausgelegt. Es ist vielmehr Spielwiese und Lernraum für alle Beteiligten. Im November 2017 startete der erste Durchgang mit sechs Visual Storytellers aus Südostasien und Ozeanien.

Von isolierten Ortschaften bis zum Schutz der Meere

Die Projekte der sechs „Global Talents“ könnten dabei vielfältiger nicht sein. Der Australier Matthew Abbott zeigt in seiner Reihe „When They Sing of Australia They Never Mention the Flies“ das Leben in abgeschiedenen Communities entlang des längsten Highways des Landes. Auch Sirachai Shin Arunrugstichai aus Thailand gehört zu den sechs Talenten. Er hat sich auf die Dokumentation von Meeresschutzmaßnahmen spezialisiert und will in seiner Fotoreihe über das Fischerdorf Pakbara auf die starke Gefährdung des marinen Ökosystems aufmerksam machen, die der geplante Tiefwasserhafen zur Folge hätte. Unter den Fotografen ist auch die Philippinerin Hannah Reyes Morales, die in ihren Bildern den lebhaften Alltag Manilas zwischen Menschenhandel, Zwangsheirat und indigener Kultur einfängt. „Im letzten Jahr zeigten die Bilder, die auf den Philippinen entstanden sind, vor allem Blut und Gewalt“, erklärt sie. „Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, auch das lebendige Gesicht der Philippinen zu zeigen.“

„We work to develop and promote quality visual journalism and visual storytelling because people deserve to see their world and express themselves freely.“

Über den Tellerrand

Vielfältige Projekte wie diese geben uns einen Einblick in jene Weltgeschehnisse, die eben nicht täglich auf den großen Nachrichtenplattformen und Medienkanälen ausgespielt werden. Die World Press Photo Foundation begibt sich mit ihren Bildungsangeboten auf genau diese Wege. Sie fördert gute journalistische Praxis und kreatives Storytelling und setzt sich für Qualitätsjournalismus in Entwicklungs- und Schwellenländern ein, um die Diversität des Fotojournalismus weltweit zu erhalten und weiterzuentwickeln. Unermüdlich, jedes Jahr aufs Neue.

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Lisa Knoll

Lisa Knoll ist das Organisationsgenie der World-Press-Photo-Ausstellung. Sie kümmert sich um Auf- und Abbau, hält die Personal- und Zeitpläne aktuell und auch beim Rahmenprogramm führt kein Weg an ihr vorbei. Und weil sie sowieso alles rund um das Ausstellungsgeschehen mitkriegt, berichtet sie zudem regelmäßig in den sozialen Medien davon.

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