„Die emotionalste Form des künstlerischen Ausdrucks“

Thorsten Finner und seine Leidenschaft fürs Sofortbild 

Foto: Dennis Bartz
Foto: Dennis Bartz

7,9 Zentimeter x 7,9 Zentimeter. Das sind die Maße, die Thorsten „Todde“ Finners Herz höherschlagen lassen. Genau diese Größe haben die Polaroids, die seine Lieblingskamera, die SX-70, ausspuckt. „Sie ist für mich die ästhetische Perfektion und zugleich ein technisches Meisterwerk“, schwärmt der Mediengestalter aus Scheeßel. „Wenn man bedenkt, dass diese Kamera in den 70er Jahren auf den Markt kam – unfassbar.“ Im Interview erzählt uns der passionierte Fotograf noch mehr über seine Liebe zum Sofortbild.

Frage: Polaroidkamera einpacken und ab aufs Festival. Wie viele Filmpakete hast du auf dem Hurricane verschossen?

Thorsten Finner: Im letzten Jahr waren es lediglich zwei Pakete mit je acht Polaroids. Ich glaube 2012 war mein polaroidisierendstes Jahr – mit gefühlten zehn Paketen. Das Zählen habe ich mittlerweile aufgegeben, aber ich gehe davon aus, dass ich mir einen Kleinwagen hätte kaufen können. Mir ist es das wert. Die Polaroidfotografie erweitert den eigenen Horizont enorm, vor allem in der schnellen Zeit, in der wir leben!

Klingt als wäre die Polaroid-Fotografie für dich mehr als nur Hobby und Herzensprojekt neben deiner Arbeit in der Medienagentur.

Definitiv. Die Fotografie ist für mich eine Passion. Neben der Musik ist es für mich persönlich die emotionalste Form des künstlerischen Ausdrucks.

Verschwommen, unscharf, überbelichtet – man weiß ja nie ganz sicher, wie das Ergebnis aussehen wird. Was ist aus technischer Sicht das Schwierigste an deiner Arbeit?

Das Licht ist die wichtigste externe Komponente, die ich berücksichtigen muss. Da ich keine Lichtmessgeräte nutze, ist eine große Portion Erfahrung nicht ganz verkehrt für das gewünschte Ergebnis. Unabhängig von den nicht beeinflussbaren Komponenten.

Hast du einen absoluten Liebling in deiner Fotosammlung?

Klingt doof, ist aber so: Es gibt da so einige. Ein Bild hat für mich jedoch einen besonderen Stellenwert. Darauf sieht man meinen Freund Jörn Freitag aus Berlin, der mich seit 2009 mit Filmmaterial versorgt. Im Oktober 2017 hat er sein Geschäft geschlossen – und bei seiner Abschiedsparty ist dieses Foto entstanden. Es hat den Charme eines gemalten Bildes, da die Farben leicht verschwommen sind, und der Kontrast des roten Rahmens schafft eine gewisse Härte.

Fotografie ist für mich eine Passion

Wo sammelst du die Bilder, wenn du sie unterwegs machst?

Die landen bei mir da, wo es dunkel ist. Mal in der Hosen- oder Jackentasche, mal in der Polaroidtasche oder im Handschuhfach des Autos – wie es gerade passt. Archiviert werden sie hingegen digital und in Boxen im Keller. Aber selbstverständlich dient unser Treppenhaus als Galerie für einige Motive.

Und wie oft passiert es, dass du fluchst, weil dein Versuch danebengegangen ist?

Das kommt eher selten vor, denn jedes Polaroid hat seinen Reiz für mich. Selbst wenn mich das Ergebnis nicht zufriedenstellt: Ich kann es ja weiterverarbeiten. Das folgende Bild habe ich im Nachhinein mit einem heißen Bügeleisen manipuliert und zu diesem Ergebnis gebracht. Es sieht aus wie Pantoffeltierchen unter einem Mikroskop oder Schneekristalle.

Also ist das Haus Finner sozusagen ein kleines Museum. Siehst du deine Polaroids denn als Kunst?

Wie ich bereits sagte, ist es eine emotionale Ausdrucksform. Es ist ähnlich wie mit der Musik: Wenn sie einen Menschen berührt, kann man von Kunst ausgehen. Das ist meine Sicht der Dinge. Es ist aber völlig ok, wenn Menschen es lediglich als Schnappschussfotografie betrachten. Die haben sich dann aber im Normalfall nicht auf das Medium eingelassen und erkennen nicht die Möglichkeiten und Stärken dieser Form der Fotografie.

Am 18. Februar um 11 Uhr ist Finner zu Besuch in Oldenburg. Im Rahmen einer Sonntagsmatinee in der Buchhandlung Isensee erzählt der Rotenburger noch mehr von seiner Begeisterung für die Analogfotografie. Der Eintritt liegt bei 3 Euro, dafür gibt es vor Ort Kaffee und Croissant.

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